Leerstand und Nutzen

Am Montag, den 14.10.13 um 18:00 Uhr wird Michael Ziehl aus dem Gängeviertel an der HAW (Alexanderstraße 1) einen Vortrag halten.
Kommt vorbei,
es wird spannend!

Leerstand und Nutzen

Vortrag und Diskussion mit
Michael Ziehl (leerstandsmelder.de, Gängeviertel Genossenschaft 2010 eG)

Wem nutzt Leerstand? Wie ließe sich Leerstand alternativ nutzen? Und wem nutzt
die Nutzung ungenutzter Immobilien? Diesen Fragen wird aus stadtgesellschaftlicher
Perspektive und anhand der Daten von Leerstandsmelder.de für Hamburg nachgegangen.

Nächstes Treffen

Nach einem erfolgreichen Aktionstag ruhen wir uns noch lange nicht aus!
Das nächste Treffen findet am Donnerstag, den 03.10.13 in der Alexanderstraße 1 um 17:30 Uhr, statt.
Kommt zahlreich!

Pressespiegel zum Aktionstag

Elbmelancholie

Wirbleibenalle

Hinz und Kunzt

Nächstes Treffen

Das nächste Treffen findet wieder am Donnerstag, den 12.09.13 in dem Freiraum der HAW statt! (Alexanderstraße 1)
Kommt vorbei! Wir freuen uns über neue und alte Gesichter!

Aufruf 2013

Im Herbst 2012 griff die Kampagne „Schlaflos in Hamburg“ erstmals den Mietenwahnsinn in Hamburg explizit aus der Perspektive von Studierenden und Auszubildenden auf. Im Zuge verschiedener Aktionen, von Vorträgen über einen Aktionstag bis hin zur Demo, wurde das Thema sichtbar gemacht. Insbesondere die Studierenden erhielten dabei große mediale Aufmerksamkeit, sogar in der Tagesschau war plötzlich vom Mietenwahnsinn in deutschen Großstädten die Rede. Auch im einen oder anderen Parteiprogramm findet sich inzwischen eine verhaltene Forderung nach Mietobergrenzen.

Nachricht angekommen, alles gut? Nö!

Die Situation für Studierende und Auszubildende in Hamburg hat sich nicht geändert: nach wie vor ist Hamburg eine der teuersten deutschen Städte, auch für Studierende und Auszubildende. In der 20. Sozialerhebung des „Deutschen Studentenwerks“[1] wird für Hamburg eine durchschnittliche von Studierenden gezahlte Miete von 351 Euro angegeben. Dazu gesellen sich meist vierstellige Kosten für Makler*innencourtage und Kaution. Der BAföG-Höchstsatz beträgt aktuell 670 Euro, Ausbildungsvergütungen liegen teilweise sogar weit darunter. So reicht etwa ein Monatsgehalt von durchschnittlich 300 Euro für angehende Friseur*innen[2] nicht einmal für die Miete eines durchschnittlichen WG-Zimmers in Hamburg aus. Die wenigen existierenden Wohnheime sind (wenn überhaupt) nur über lange Wartelisten zugänglich. Auch die diesen Herbst mit ihrer Ausbildung bzw. ihrem Studium beginnenden jungen Menschen in Hamburg werden also vor einer prekären Wohnraumsituation stehen, die oftmals zu erheblichen Einschränkungen der Lebensverhältnisse, Überlastung durch (mehrere) Nebenjobs oder sogar dem Abbruch von Ausbildung/Studium führen kann.

Selbstverständlich beschränkt sich dieses Problem nicht auf Auszubildende und Studierende – vielmehr sind alle Mieter*Innen in Hamburg betroffen. Dabei sind insbesondere Studierende sogar als in mancher Hinsicht vergleichsweise privilegierte Gruppe zu betrachten. So wird etwa Wohnraum für Auszubildende und Studierende seit 2005 von der Stadt Hamburg durch ein Förderprogramm subventioniert. Mit diesem sollen gleichzeitig „stadtteilentwicklungspolitische Ziele“[3] – d.h. eine „Veränderung der Bewohnerstruktur“[3] – gefördert werden. Man könnte auch sagen: Studierende und Auszubildende werden instrumentalisiert, um Aufwertungsprozesse in „benachteiligten“ Stadtteilen in Gang zu setzen – läuft der Prozess erst mal mögen sie dann bitte weiterziehen. So laufen etwa die Förderprogramme in den Stadtteilen Veddel und Wilhelmsburg 2014 bzw. 2015 aus. Fraglich, wer sich die inzwischen um mehr als 35% (2006-2012)[4] gestiegenen Mieten dann noch leisten kann. Doch das neue Förderprogramm steht ja bereit – in Mümmelmannsberg. Wir wehren uns dagegen, als Marionetten einer von der Stadt selbst forcierten Aufwertung und Verdrängung unter Leitmotiven wie dem „Sprung über die Elbe“ hin und her geschoben zu werden und fordern bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen in Hamburg!

Zusätzlich gibt es einen erheblichen Mangel an Sozialwohnungen: seit den 1980ern ist der Bestand bundesweit von rund 4 Millionen auf 1,5 Millionen reduziert worden. Auch in Hamburg ist die Zahl seit den frühen 90ern um mehr als die Hälfte auf unter 100.000 Wohnungen gesunken. Gleichzeitig haben 56% aller Hamburger*Innen Anspruch auf eine Sozialwohnung. Zwar sollen von den versprochenen 6.000 neuen Wohnungen jährlich ein Drittel Sozialwohnungen sein, dies nützt vielen Hamburger*Innen jedoch nichts: Neben den Sozialwohnungen im so genannten 1. Förderweg (maximale Miete von 5,90€/qm) fallen hierunter nämlich auch Wohnungen im 2. Förderweg (bis 8€/qm), was der durchschnittlichen Netto-Kaltmiete entspricht. 42% aller Menschen in Hamburg haben jedoch Anspruch auf eine Wohnung des 1. Förderwegs[5]. Zusätzlich verschärft sich die Situation dadurch, dass jedes Jahr ca. 5.700 Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, was unterm Strich sogar zu einer Reduzierung von gefördertem Wohnraum führt. Wir fordern daher eine Mietobergrenze von 8€/qm für alle Wohnungen in Hamburg!

Gleichzeitig wächst paradoxerweise der Leerstand in Hamburg, derzeit stehen bis zu 1.500 Wohnungen und 1,4 Millionen qm Büroraum (knapp 10 % aller Büroflächen) leer. Während sich also die Wohnraumsituation in der ganzen Stadt immer weiter zuspitzt, stehen ganze Gebäudekomplexe leer. Versuche, sich diesen ungenutzten Raum aus der Not heraus anzueignen werden kriminalisiert – wir finden: das muss aufhören. Für eine Entkriminalisierung der-Besetzung von Leerstand!

Wohnraum ist in Hamburg schon jetzt unerträglich teuer, doch der stetige Mietanstieg wird ohne unser Zutun nicht zu stoppen sein. Deshalb wollen wir – gemeinsam mit möglichst vielen Hamburger*Innen – auch in diesem Herbst wieder inhaltliche Veranstaltungen, organisierte Selbsthilfe und Protestaktionen durchführen, um die Öffentlichkeit zu erreichen und unseren Widerstand gegen kapitalistische Stadtentwicklung zu organisieren und sichtbar zu machen. Wohnraum darf keine Ware sein!
Beteiligt euch, drückt eure Unzufriedenheit aus und seid dabei, wenn es im Oktober heißt:
Schlaflos in Hamburg? Mietenwahnsinn stoppen!